Pressemitteilungen

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Pressemitteilung vom 13.04.2011 - Das Buch zum Sterbehilfe-Fall "Putz"

 

  

Jetzt im Buchhandel:

„STERBEN DÜRFEN“ von Wolfgang Putz und Elke Gloor

ISBN 978 - 3 - 455 - 50201 - 5

Das Buch zum BGH-Fall „Putz“

Am 14. April 2011 erscheint im Verlag Hoffmann & Campe in Hamburg das Buch „STERBEN DÜRFEN“. Die Autoren erzählen zusammen eine schier unglaubliche Geschichte. Zum einen das jahrelange schwere Leiden von Elke Gloors Mutter Erika Küllmer. Sie konnte - nicht zuletzt wegen der Inkompetenz und Ignoranz von Ärzten, Pflegekräften und Juristen - nicht selbstbestimmt in Würde sterben, wie sie es ihrer Familie als Versprechen abverlangt hatte. Zum anderen das kuriose Strafverfahren, das folgte. In diesem wurden beide Autoren wegen versuchter aktiver Sterbehilfe angeklagt. Das Schwurgericht Fulda sprach Elke Gloor frei und verurteilte Wolfgang Putz. Doch am 25. Juni 2010 machte sein Freispruch in einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs zur Sterbehilfe Justizgeschichte.

Ein Buch, in dem sich jeder wiederfindet, als Kranker oder Familienangehöriger, Pflegekraft, Arzt oder Jurist. Über diesen Fall sind viele teils sachlich, teils rechtlich fehlerhafte und häufig polemische Berichte erschienen. „Sterben Dürfen“ ist eine akribisch genaue Information aus erster Hand, die erschütternde Beschreibung eines Falles, den das Leben schrieb und der zugleich Recht und Ethik der Medizin für jedermann verständlich vermittelt. Das lange Leiden der Erika Küllmer, der Kampf von Elke Gloor und ihrem Bruder Peter um ein würdiges Sterben ihrer Mutter und das erfolgreiche Ringen um Menschenrechte am Ende des Lebens bis zum Sieg vor dem Bundesgerichtshof haben den Umgang mit dem Sterben in Deutschland nachhaltig verändert.

Pressemitteilung vom Juli 2010 zum Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs zur Sterbehilfe vom 25.06.2010

 

  

Am 25. Juni 2010 sprach der zweite Strafsenat des Bundesgerichtshofs in einem wichtigen Grundsatzurteil Rechtsanwalt Wolfgang Putz vom Vorwurf der aktiven Sterbehilfe frei.

Es war rechtlich korrekt, dass RA Putz eine Magensonde wegschneiden ließ, bevor sie ein Pflegeheim zur Zwangsernährung einer Sterbenden missbrauchen hätte können. Das höchste deutsche Strafgericht stellte fest, dass die Grenze zwischen erlaubter Sterbehilfe und strafbarer Tötung nicht durch eine naturalistische Unterscheidung von aktivem und passivem Handeln bestimmt werden könne. Es müssten vielmehr alle Handlungen, die mit dem Wechsel von der lebenserhaltenden Therapie zum palliativ begleiteten Zulassen des Sterbens im Zusammenhang stehen, im normativ-wertenden Oberbegriff des Behandlungsabbruchs  zusammengefasst werden. Rechtlich zulässig sei ein solcher Abbruch aber nur unter den Voraussetzungen, dass der Patient lebensbedrohlich erkrankt ist und die in Frage stehende medizinische Behandlung geeignet wäre, sein Leben künstlich zu verlängern. Wer also etwa einen Menschen aus Habgier dadurch tötet, dass er diesem in einem Krankenhaus die Beatmung abdreht, macht sich hingegen eines Mordes schuldig.

Rückblick:

Ein Pflegeheim in Bad Hersfeld wollte im Dezember 2007 gegen Indikation und gegen den Patientenwillen eine bereits beendete ärztliche Infusionstherapie eigenmächtig wieder aufnehmen, um das Sterben einer hochbetagten und schwerstkranken Patientin zu verhindern. Das Heim drohte den Kindern: wenn sie nicht in zehn Minuten die künstliche Lebensverlängerung wieder aufnehmen würden, bekämen sie Hausverbot. Sodann wollte das Pflegeheim selbst die Behandlung durchführen.

Darauf entschloss sich Rechtsanwalt Wolfgang Putz, die Sonde entfernen zu lassen. Damit sollte das rechtswidrige Handeln des Pflegeheimes wirksam verhindert werden. Das Landgericht Fulda bewertete dies jedoch als einen versuchten Totschlag.

Angesichts des vorausgegangenen Verfahrens vor dem Betreuungsgericht (Vormundschaftsgericht) Bad Hersfeld war davon auszugehen, dass das Vorhaben des Pflegeheimes zu keinem Erfolg führen würde. Tatsächlich aber stellte sich die Staatsanwaltschaft Fulda  hinter das Pflegeheim und organisierte eine Verlegung der Patientin in eine Klinik. Dort bekam die Patientin eine neue Magensonde. Sie verstarb dennoch kurz darauf an ihrem schweren Leiden.

In seinem Schlusswort vor dem Bundesgerichtshof wies RA Wolfgang Putz auf die grundsätzliche Bedeutung des Falles hin und bat den Bundesgerichtshof um ein auch für Ärzte klar verständliches Urteil, welches in Zukunft einer guten Palliativmedizin den Rücken stärkt. Es gehe darum, unbegründete juristische Ängste bei Ärzten abzubauen, wenn sie Sterbende begleiten. In der Ärzteschaft wurde das Urteil ganz überwiegend positiv aufgenommen, weil es endlich Rechtssicherheit schafft. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) sowie der Dachverband aller Hospizeinrichtungen in Deutschland (DHPV) begrüßten das Urteil.

Der DHPV schreibt in seiner Presseerklärung:

„Das Urteil stellt klar, dass eine Behandlung nicht gegen den Willen der Betroffenen durchgeführt werden darf. Damit wird für mehr Rechtssicherheit gesorgt. Der DHPV weist daraufhin, dass es ausdrückliches Anliegen der zahlreichen in der Hospiz- und Palliativarbeit aktiv engagierten Menschen ist, diese Position nochmals deutlich zum Ausdruck zu bringen und der Erklärung der Deutschen Hospiz Stiftung zu widersprechen, durch die ein falscher Eindruck in der Öffentlichkeit über die Haltung der Hospizbewegung in dieser Frage entstanden ist. Die Deutsche Hospiz Stiftung ist trotz ihres Namens nach eigenem Bekunden weder Dachverband noch Interessenvertretung hospizlicher Einrichtungen. Sie leistet erkennbar weder für ambulante noch stationäre Hospiz- und Palliativeinrichtungen Unterstützung aus Stiftungsmitteln und hat selbst ihre bisher geleistete Förderung für ambulante Hospizdienste im Dezember 2009 eingestellt.“

Pressemitteilung vom 28.01.2010 - 1,6 Millionen Euro wegen Hebammenfehler!

 

Problemlos kommt die kleine Lara am 13.09.2002 in München zur Welt. Die Familie freut sich über ein gesundes Mädchen. Doch kurz darauf bekommt das Kind eine Gelbsucht. Die zuständige Hebamme reagiert hierauf nicht, so dass es letztlich zu massiven Hirnschäden und dauerhafter Schwerstbehinderung kommt. Jetzt wurde L. mit 1,6 Millionen Euro für ihr Schicksal entschädigt.

Rückblick:

L. kam am Freitag, den 13.09.2002 abends in der 38. Schwangerschaftswoche zu Hause gesund zur Welt. Eine Hebamme betreute Mutter und Kind unter der Geburt und in den Folgetagen. Bis zum Montag, den 16.09.2002 zeigte das Kind keine Auffälligkeiten.

Dann bemerkte die Mutter, dass L. schlechter trank als an den vorherigen Tagen und müder wurde. Am Dienstag, den 17.09.2002, wurde L. leicht gelb. Die Hebamme kommentierte dies mit den Worten "Jetzt wird sie langsam etwas gelb." Am Mittwoch, den 18.09.2002 zeigte L. eine starke Gelbfärbung. Deshalb wurde Blut abgenommen und ins Labor geschickt. Dort rief die Hebamme gegen 22:00 Uhr an und fragte den Bilirubinwert ab. Mit 40 mg/dl lag dieser Leberwert um ein Vielfaches über der Norm. Dies hätte zu einer umgehenden Krankenhauseinweisung und sofortigen Behandlung führen müssen, so später ein beauftragter medizinischer Sachverständiger. Schon die Gelbfärbung am 17.09.2002 hätte zu einer umgehenden Behandlung führen müssen.

Die Hebamme veranlasste jedoch erst am Folgetag gegen 15.00 Uhr die Klinikeinweisung. Auf dem Weg dorthin im Auto kam sogar noch ein Anruf des Laborarztes, der fragte, ob das Kind endlich in ein Krankenhaus gebracht würde. Der hohe Blutwert hatte ihn offensichtlich schockiert.

Umgehend wurde im Krankenhaus ein Blutaustausch und eine Phototherapie durchgeführt. Danach fiel der Bilirubinwert auf 16,2 mg/dl ab. Die bereits eingetretene schwerwiegende Hirnschädigung war jedoch nicht mehr rückgängig zu machen. Darunter muss L. lebenslang leiden. Sie ist schwerstbehindert.

Zum medizinischen Hintergrund:

Bei Neugeborenen ist die Leber noch nicht vollständig ausgebildet, zudem kann der Körper  noch nicht in vollem Umfang körperliche Abbauprodukte ausscheiden. Rund 60 Prozent der Neugeborenen entwickeln daher aufgrund des Abbaus des Hämoglobins eine Neugeborenengelbsucht. Dabei führt das sog. Bilirubin als gelbes Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin zu einer Gelbfärbung der Haut. Das in der Haut abgelagerte Bilirubin kann jedoch völlig unproblematisch mittels Phototherapie zum wasserlöslichen Lumirubin umgewandelt und so ausgeschieden werden. Bei der Phototherapie werden die Kinder lediglich unter eine Lampe mit kurzwelligem blauen Licht gelegt.

Bleibt die Neugeborenengelbsucht jedoch unbehandelt, so kann es zu schwerwiegenden Hirnschädigungen kommen. Auf Grund der noch nicht vollständig ausgereiften Blut-Hirn-Schranke kann es bei stark erhöhten Bilirubinwerten zu größeren Ablagerungen in den Basalganglien im Großhirn, einem sog. Kernikterus, und dadurch bedingt zu schweren Entwicklungsstörungen kommen, so auch im Fall der kleinen L.

Bei allen deutlich ikterischen Neugeborenen ist deshalb unverzüglich eine Bilirubinbestimmung vorzunehmen. Am fünften Lebenstag darf der Normwert des Bilirubin bei maximal ca. 18 mg/dl liegen.

Hätte die Hebamme die zwingend erforderliche Behandlung frühzeitiger veranlasst, wäre L. heute völlig gesund!

L. ist schwerst geschädigt:

Die heute siebenjährige L. leidet aufgrund der zu spät eingeleiteten Therapie unter einer schweren zentralen Koordinationsstörung mit Bewegungsstörungen aller Extremitäten. L. kann weder stehen noch gehen. Sie kann auch nicht krabbeln oder robben. L. kann lediglich mit Hilfen (Sitzhose, Seitenpolster und Kopfstütze) in einem Stuhl oder Wagen sitzen. Sie kann nur in Rücken- oder Bauchlage liegen. Unter größter Anstrengung schafft sie es, sich im Liegen zu drehen, dazu benötigt sie ca. 15 Minuten und ist anschließend durch die Anstrengung völlig erschöpft und nass geschwitzt. L. kann nicht sprechen. Eine Kommunikation ist ausschließlich mit der Mutter über Augenkontakt und minimalste, für außen stehende Personen kaum wahrnehmbare, Gesten möglich.

Sie hat in den ersten Lebensjahren fast ununterbrochen Tag und Nacht geschrieen.

Da L. kauen und schlucken kann, wird sie von ihrer Mutter mit einem Löffel liebevoll und geduldig gefüttert, allerdings ist dies nur mit weichen Speisen in geringen Mengen möglich.

Mit intensiver Zuwendung und großem Aufwand der Familie, durch Physiotherapie und Sprachtherapie in der Vergangenheit und in der Zukunft wird versucht, kleinste Verbesserungen zu erzielen. Die Familie freut sich über jeden kleinsten Erfolg.

An ihrem eigentlichen Zustand wird sich auch in Zukunft nichts ändern. L. wird weder gehen noch stehen noch sprechen können. L. wird sich auch in ihrem zukünftigen Leben motorisch auf dem Stand eines sechsmonatigen Säuglings befinden. Sie wird für immer an den Rollstuhl gefesselt sein und ihr Leben lang bei allen, auch den einfachsten Verrichtungen auf fremde Hilfe angewiesen sein.

L. hat im vergangenen Jahr einen Step-by-Step-Talker erhalten, um sprachlichen Kontakt mit ihrer Umwelt aufzunehmen. Im vergangenen Sommer wurden mentale Tests vorgenommen. Dabei wurde festgestellt, dass die intellektuelle Entwicklung normal ist, soweit dies wegen der sprachlichen und motorischen Behinderungen messbar war.

Nach langwierigen und harten Verhandlungen mit der zuständigen Haftpflichtversicherung der Hebamme, die sogar in der Konzernzentrale in Köln geführt wurden, konnte die Kanzlei Putz & Steldinger ein Einlenken der Haftpflichtversicherung erreichen und hat eine Schadenersatzsumme von 1,6 Millionen Euro erkämpft. So ist zumindest L’s Zukunft finanziell vernünftig abgesichert und die Familie kann Anschaffungen tätigen, um das Leben von L. so gut wie möglich zu erleichtern.

Dieser Fall zeigt sehr deutlich, dass ein krasser Fehler, der ganz einfach zu verhindern gewesen wäre, zu einer Schwerstbehinderung geführt hat.

Wenigstens konnte durch die engagierte und qualifizierte Behandlung des Falles durch unsere Kanzlei den Eltern ein jahrelanger zermürbender Prozess erspart bleiben.

 

 

 

 

Pressemitteilung vom 01.12.2009 - 1,4 Millionen Euro für AIDS-Erkrankung!

 

Kind bei Geburt infiziert, weil Arzt keinen HIV-Test in Schwangerschaft gemacht hat.

Der achtjährige A. ist seit seiner Geburt aidskrank. Doch er könnte gesund sein, wenn bei seiner Mutter während der Schwangerschaft ein HIV-Test gemacht worden wäre.

Seine Mutter war seit vielen Jahren Patientin eines prominenten Gynäkologen in der Münchener Innenstadt mit vornehmlich Privatklientel. Er betreute ihre gesamte Schwangerschaft im Jahre 2000/2001. Die Geburt von A. fand im März 2001 in einer Münchener Belegklinik statt.

Ein HIV-Test wurde der Mutter weder angeboten noch bei ihr durchgeführt.

Nach der Geburt im März 2001 durch Kaiserschnitt wurde das Kind gestillt. A. wurde Ende Mai 2001 unter der Verdachtsdiagnose einer atypischen Lungenentzündung und einer Virusinfektion stationär medikamentös behandelt. Es kam in den folgenden Wochen zu wiederholten schweren fieberhaften Infekten mit massiver Atemnot. A. musste über Wochen künstlich beatmet werden.

Schließlich wurde dann die ausgebrochene AIDS-Erkrankung bei A. festgestellt.

Es wurde festgestellt, dass die Mutter unerkannt schon lange vor der Schwangerschaft seit vielen Jahren infiziert gewesen war. Die Mutter hat HIV bei der Geburt auf das Kind übertragen. Der Vater ist HIV-negativ.

A. ist auf Grund der ausgebrochenen AIDS-Erkrankung in seiner Entwicklung verzögert und leidet unter einem Gehirnschaden sowie einer spastischen Bewegungsstörung. Es waren deshalb mehrere Operationen und Botox-Injektionen notwendig.

Der Frauenarzt hat einen eindeutigen Behandlungsfehler begangen. Er hätte der Mutter während der Schwangerschaft zwingend die Durchführung eines HIV-Tests anbieten müssen, so das Landgericht München I in seinem Urteil.

Hätte der Frauenarzt diesen Test der Mutter angeboten, hätte sie diesen selbstverständlich machen lassen. Der positive Test hätte zu einer entsprechenden Therapie während der Schwangerschaft, unter der Geburt und nach der Schwangerschaft (kein Stillen!) geführt. Die Übertragung des Virus auf das Kind hätte sicher verhindert werden können, anders als noch in den 90er Jahren.

Der Arzt argumentierte, seine wohlsituierten Patientinnen würden auf das Angebot eines HIV-Tests regelmäßig entrüstet reagieren. Er könne daher den Test nicht anbieten.

Diese Argumentation ist ein Skandal. Bekanntlich ist die HIV-Infizierung nicht mehr nur auf das Drogen- und Homosexuellenmilieu begrenzt wie noch in den achtziger Jahren sondern in allen Schichten anzutreffen. Dies würde bedeuten, dass den „höheren“ Kreisen ein effektiver Gesundheitsschutz mit fatalen Folgen vorenthalten wird.

Der Arzt wurde vom Landgericht München I zur Haftung verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Höhe des Schadens wurde in einem gerichtlichen Vergleich festgelegt. A. erhält einen Schadenersatzbetrag von 1.435.000,00 €. Die Mutter erhält für das erlittene seelische Leid um das Schicksal ihres Kindes 15.000,00€.

Zudem hat unsere Klage dazu geführt, dass im Mutterpass jeder Schwangeren nun vermerkt wird „Über HIV-Test aufgeklärt“. Dies ist jedoch nicht ausreichend. Im Hinblick darauf, dass hier nicht nur die Gesundheit der Schwangeren sondern auch die Gesundheit des Kindes und des sie betreuenden medizinischen Personals auf dem Spiel steht, muss der Test standardgemäß bei allen Schwangeren durchgeführt werden.

 

 

Pressemitteilung vom 23.01.2008 - Entscheidung des Generalstaatsanwaltes in Nürnberg: Richter machen sich strafbar, wenn sie Patientenverfügungen missachten

 

Um Haaresbreite entkam ein Straubinger Vormundschaftsrichter einer Bestrafung wegen Körperverletzung im Amt, weil er eine Patientenverfügung missachtet hatte. Das Verfahren wurde nur deshalb eingestellt, weil es zu der richterlich angeordneten Amputation eines Beines nicht mehr kam, da sich die Ärzte geweigert hatten, den Eingriff durchzuführen. So konnte die Patientin an ihrer Krankheit versterben, wie sie es in ihrer Patientenverfügung ge-wünscht hatte. (Aktenzeichen 4 BerL 144/07 - Generalstaatsanwalt Nürnberg, Verfügung vom 15.01.2008). Die Entscheidung bestätigt, dass die Rechtslage zur Verbindlichkeit von Patientenverfügungen klar ist. Mit einer Patientenverfügung kann man rechtsverbindlich Behandlungen untersagen, unabhängig von Art, Schwere und Stadium der Erkrankung (keine sog. „Reichweitenbegrenzung“).

Rückblick:

Der Fall: Maria M., 82, wohnhaft in einem Straubinger Altenheim, sollte bei schwerer Zuckerkrankheit im Juni 2007 im Straubinger Klinikum St. Elisabeth der rechte Unterschenkel amputiert werden. Das verweigerte sie. Bei ihrem ebenso zuckerkranken Vater hatte es acht Amputationen gegeben, bis er sterben konnte. Maria M. blickte auf ein erfülltes Leben zurück und wollte in Frieden sterben. Die Ärzte klärten sie auf, dass sie als Folge des fortschreitenden Krankheitsbildes (Schwarz-Werden des Beines) sterben würde. Sie würde aber bei guter palliativer ärztlicher Versorgung nicht leiden. Sie dokumentierten den Patientenwillen, und Maria M. kam „unversehrt“ zurück ins Heim. Dort setzte man sich nun am runden Tisch zusammen, Vertreter des Heimes, der Hausarzt, der Enkel als rechtlicher Vertreter und die geistig vollkommen klare Maria M.. Nach erneuter Aufklärung legte sie nun schriftlich nieder, dass sie nicht amputiert werden wollte. Sie wollte an ihrer Krankheit sterben. Im Sinne der Rechtsprechung war sie also weder „irreversibel“ noch „tödlich“ erkrankt. Ihre Patientenverfügung war dennoch verbindlich, wie jetzt der Nürnberger Generalstaatsanwalt feststellt.

Als Frau M. schon im Sterben lag, erfolgte durch eine ärztliche Urlaubsvertreterin eine Anzeige beim Vormundschaftsgericht Straubing. Daraufhin entschied der beschuldigte Vormundschaftsrichter, dass der Enkel von Maria M. als Vorsorgebevollmächtigter den Interessen der Frau zuwider handeln würde, weil er die Amputation verhindern wollte. Der Richter setzte sofort einen rechtlichen Betreuer ein, der wiederum sofort die Amputation zur Lebensrettung von Maria M. anordnete. Dazu kam es nicht mehr. Die Ärzte im Klinikum St. Elisabeth in Straubing kannten den Willen von Frau M.. Diese war auch schon gar nicht mehr operationsfähig und verstarb am nächsten Tag. Der Vormundschaftsrichter zeigte den Enkel wegen Körperverletzung und fahrlässiger Tötung an.

Nun wäre der Richter um ein Haar schwer bestraft worden. Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren kann die Körperverletzung im Amt geahndet werden, § 340 StGB. Rechtsbeugung ist sogar ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr, § 339 StGB. In beiden Fällen ist allein der Versuch strafbar. Für den „Versuch“ fehlte es aber am Beginn der Vorbereitungen zur Operation. Die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung waren aber verbindlich. So schreibt der Generalstaatsanwalt: „Auch das Vormundschaftsgericht darf sich nicht darüber hinwegsetzen.“ Sodann folgen sehr beachtliche „grundsätzliche Ausführungen“ des Generalstaatsanwalts. Wörtlich heißt es: „Bei der Frage, ob bei einem Kranken eine Operation oder ein sonstiger ärztlicher Eingriff vorzunehmen ist, muss in erster Linie sein Selbstbestimmungsrecht beachtet werden. Jeder Mensch kann selbst bestimmen, ob, wie lange und in welcher Weise er behandelt werden soll. Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten gilt auch dann, wenn es darauf gerichtet ist, eine aus medizinischen Gründen dringend erforderliche Behandlung zu verweigern oder lebensverlängernde Maßnahmen abzubrechen. Bei einer Missachtung des Selbstbestimmungsrechts eines Kranken kommt eine strafbare Körperverletzung in Betracht, wenn ein ärztlicher Eingriff vorgenommen oder auf andere Weise, z. B. durch Verabreichung von Medikamenten, in den Körper eingegriffen wird.“ Sodann erklärt der Generalstaatsanwalt, dass all dies genauso gilt, wenn der Patient aktuell nicht mehr entscheidungsfähig ist. Dann ist nämlich der hypothetische Wille auf Basis einer Patientenverfügung oder der Wertewelt des Patienten zu ermitteln. Hierbei beruft sich der Generalstaatsanwalt auf die klare Rechtslage seit einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 1994 („Kemptener Entscheidung“). Wörtlich führt er aus: „Es ist Aufgabe des Vormundschaftsrichters, diesen hypothetischen Willen zu ergründen und festzustellen. Er darf sich dazu nicht in Widerspruch stellen. "

Der Bescheid stellt klar, dass Vormundschaftsrichter mit einem Fuß im Gefängnis stehen, wenn sie den Patientenwillen nicht respektieren. Besonders bedeutsam ist, dass es sich hier um einen Fall handelt, bei dem die Patientin weder tödlich noch unheilbar erkrankt war. Sie hätte noch Jahre leben können - allerdings mit immer neuen Amputationen! Den Originaltext der Entscheidung kann in der Kanzlei angefordert werden.

Pressemitteilung vom 05.10.2006 - 5 Millionen Euro für Ärztepfusch!

 

Mit 5 Millionen Euro Schadensersatz hat die auf Behandlungsfehler spezialisierte Medizinrechtliche Sozietät der Rechtsanwälte Putz & Steldinger in München die höchste bisher bekannt gewordene Entschädigung für einen ärztlichen Behandlungsfehler erstritten.

Rückblick:

Der heute 51-jährige Münchner Top-Manager hatte unter starkem Schnarchen und Atemaussetzern mit massivem Sauerstoffmangel gelitten. Dies war der Anlass für eine HNO-ärztliche Behandlung im Jahr 1998. Als Ursache erwiesen sich u. a. Gewebevergrößerungen im Nasen- und Rachenraum. Nach einer ca. dreieinhalbstündigen Operation in einer Münchener Belegklinik wurde er extubiert und von den Überwachungsgeräten abgehängt. Kurz darauf kam es aufgrund von starken Schwellungen im Operationsgebiet zu Atemnot und einem Erstickungsanfall. Der Patient blieb ca. 15 Minuten ohne Sauerstoff, so dass sein Gehirn irreversibel geschädigt wurde. Der Patient lebt seither als Wachkomapatient in einem Pflegeheim.

Die gerichtlichen Gutachter, ein Anästhesiologe und ein Facharzt für HNO, bewerteten im gerichtlichen Verhandlungstermin vor dem Landgericht München I im August 2005 die ärztliche Behandlung durch die Anästhesistin und den Operateur jeweils als grob fehlerhaft und für einen Facharzt als nicht mehr nachvollziehbar. Dem HNO-Arzt wurde als grober Fehler vorgeworfen, bei dem Hochrisikopatienten mehrere komplizierte Eingriffe verbunden zu haben. In einer Klinik ohne entsprechende Ausstattung, insbesondere ohne Intensivstation, hätte sich ein solcher Eingriff verboten. Vor allem wurde beiden Ärzten als grober Fehler vorgeworfen, den extremen Eingriff logistisch nicht vorbereitet zu haben. Noch am Tag der Operation, als sie erstmals vom vollen Umfang der Operation erfahren hatte, wäre die Anästhesistin verpflichtet gewesen, die Narkose abzulehnen. So traf die lebensbedrohliche Komplikation alle Beteiligten unvorbereitet und wurde auch völlig unzulänglich bewältigt.

Seit dem o.g. gerichtlichen Verhandlungstermin begann ein Tauziehen um die geforderte Gesamtentschädigung in Höhe von 9 Millionen Euro. Dieser Betrag umfasste sowohl Schmerzensgeld, Behandlungskosten, Verdienstausfall als auch den Unterhalt für die Ehefrau und die beiden kleinen Kinder aus Vergangenheit und Zukunft. Doch beide Ärzte waren mit jeweils nur 2,5 Millionen Euro unterversichert. Da es höchst fraglich war, ob die beiden Ärzte aus ihrem eigenen Vermögen für weitere Millionen Euro leistungsfähig gewesen wären, wurden jetzt von den beiden Haftpflichtversicherungen insgesamt 5 Millionen Euro sowie alle Kosten des Verfahrens zur endgültigen Beilegung des Rechtsstreits bezahlt.